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Private Krankenversicherung - Infoblatt

Private Krankenversicherung  - Was ist zu beachten?

Im Folgenden lernen wird die private Krankenversicherung (PKV) beschrieben: Welche Leistungen sie bietet, wie Sie die private Krankenversicherung nutzen können und auf welche Vor- und Nachteile Sie sich in der privaten Krankenversicherung einstellen können.

Leistungen der privaten Krankenversicherung

Grundsätzlich entsprechen die Mindestleistungen der privaten Krankenversicherung dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Diese Leistungen können Sie an Ihren Bedarf anpassen, wobei sich die Prämie mit steigenden Leistungen erhöht. Die Leistungen der privaten Krankenversicherung liegen also zwischen dem Basis- und einem Spitzenschutz, der nahezu alles abdeckt, dann allerdings richtig ins Geld gehen kann.

Hauptmerkmale der privaten Krankenversicherung

Die Merkmale der privaten Krankenversicherung lassen sich am besten in einem Vergleich zur gesetzlichen Krankenversicherung aufzeigen:

  1. Die Leistungen reichen von einem Basis- bis zum Premiumschutz. Bei der gesetzlichen Krankenversicherung haben alle Versicherungsnehmer denselben Leistungsanspruch.

 

  1. Die Leistungserstattungen sind bei der privaten Krankenversicherung umfangreicher, hängen aber vom Tarif ab. Bei der gesetzlichen Krankenversicherung werden jene Leistungen erstattet, die als "zweckmäßig und wirtschaftlich" beziehungsweise "medizinisch notwendig" erachtet werden.

 

  1. Bei der privaten Krankenversicherung dürfen (je nach Tarif) auch spezielle Leistungen, beispielsweise Naturheilverfahren, genutzt werden. Bei der gesetzlichen Krankenversicherung sind die Leistungen unabhängig von Ihren Beiträgen.

 

  1. Bei der privaten Krankenversicherung entstehen vergleichsweise geringe Kosten und Sie profitieren von Kostenerstattungen für sehr umfangreiche Leistungen.

 

  1. Zuzahlungen für Arznei oder Heilmittel übernimmt im Allgemeinen Ihre private Krankenversicherung. Bei der gesetzlichen Krankenversicherung fallen quartalsweise Praxisgebühren (10 Euro) an, weiter sind für Arznei, Verbände und Heilmittel Zuzahlungen in Höhe von 10 Prozent der Kosten zu leisten (mind. 5, maximal 10 Euro).

 

  1. Krankenhausleistungen werden in der privaten Krankenversicherung direkt mit der Versicherungsgesellschaft abgerechnet, außerhalb dessen bekommen Patienten die Rechnung vom Arzt, begleicht diese zunächst und reicht sie dann bei der Versicherung ein; das Vertragsverhältnis entsteht also zwischen Patient und Arzt. Bei der gesetzlichen Krankenversicherung rechnen Leistungserbringer und Krankenkasse direkt ab, der Patient steht nicht dazwischen.

 

  1. Jedes Familienmitglied muss in der privaten Krankenversicherung eine eigene Versicherung abschließen beziehungsweise einen eigenen Beitrag leisten. Kinder lassen sich oft preiswert mitversichern. In der gesetzlichen Krankenversicherung werden Ehegatten und Kinder ohne eigenes Einkommen beitragsfrei mitversichert.

 

  1. Die Beitragshöhe ergibt sich bei der privaten Krankenversicherung aus dem Alter, (derzeit noch) dem Geschlecht, dem Leistungsumfang und der bisherigen Krankheitsgeschichte des Versicherungsnehmers. Bei der gesetzlichen Krankenversicherung besteht ein einheitlicher Beitragssatz, der vom sozialversicherungspflichtigen Bruttoeinkommen kalkuliert wird.

 

  1. In der privaten Krankenversicherung zahlen Versicherungsnehmer nur für sich selbst. Ein Teil der Prämien wird für aktuelle Leistungen, ein anderer als Altersrückstellung genutzt. Bei der gesetzlichen Krankenversicherung besteht das Solidaritätsprinzip: Die Prämien kommen in einen Topf und werden für die Mitglieder der Krankenkasse gestreut, sodass die Beitragskalkulation einheitlich erfolgt.

 

  1. Prämienerhöhungen in der privaten Krankenversicherung ergeben sich aus der allgemeinen Kostenentwicklung und der längeren Lebenserwartung. In der gesetzlichen Krankenversicherung führen dieselben Faktoren zu geringeren Leistungen bei steigenden Beiträgen.

 

  1. Viele Versicherungsgesellschaften zahlen zumeist ein oder zwei Monatsbeiträge bei längerer Leistungsfreiheit (also nicht genutzten Versicherungsleistungen) an die private Krankenversicherung -Versicherten zurück. Bei der gesetzlichen Krankenversicherung können Krankenkassen, die wirtschaftlich agieren, Überschüsse als Beitragsrückerstattung an die Versicherungsnehmer ausschütten.

 

  1. Bei der privaten Krankenversicherung gestalten sich Anbieterwechsel häufig mit Nachteilen für Kunden: Keine private Krankenversicherung muss Antragsteller annehmen, wenn die Krankengeschichte Leistungsanspruch vermuten lässt oder der Versicherungsnehmer bereits ein gewisses Alter erreicht hat. Weiter gehen große Teile der Altersrückstellung verloren. Bei der gesetzlichen Krankenversicherung ist der Anbieterwechsel unkompliziert und zieht keine Nachteile nach sich.

 

  1. Die private Krankenversicherung gilt unbegrenzt in ganz Europa und weltweit bis zu einem Jahr (je nach Tarif gesonderte Vereinbarungen möglich). Der Geltungsbereich der gesetzlichen Krankenversicherung liegt in Deutschland und allen weiteren Ländern mit einem Sozialversicherungsabkommen.
     

Welche Voraussetzungen müssen für die private Krankenversicherung erfüllt sein?

Verbraucher, die nicht unter die Versicherungspflicht fallen, können einkommensunabhängig in die private Krankenversicherung wechseln. Heißt: Selbstständige, Freiberufler, Selbstständige in Heilberufen wie Ärzte, Apotheker oder Zahnärzte. Hingegen unterliegen selbstständige Gärtner, Landwirte, Publizisten und Künstler der Versicherungspflicht der gesetzlichen Krankenversicherung. Angestellte müssen hingegen eine bestimmte Einkommensgrenze überschreiten, um sich privat krankenversichern zu lassen. Man spricht dabei von der Jahresarbeitsentgeltgrenze und Urlaubs- sowie Weihnachtsgeld und regelmäßige Bonuszahlungen werden dafür dem Bruttoeinkommen hinzugerechnet. In 2012 liegt diese Grenze bei 50.850 Euro pro Jahr beziehungsweise 4.237,50 Euro pro Monat.
 

Wichtige Änderungen in der privaten Krankenversicherung

In den kommenden Jahren wird sich innerhalb der privaten Krankenversicherung einiges ändern, darunter beispielsweise die Unisex-Tarife: Bisher hatten Frauen aufgrund anderer Risiken mit höheren Prämien zu rechnen. Zu diesen Risiken gehört etwa die höhere Lebenserwartung, sodass man davon ausging, dass Frauen einen höheren Leistungsbedarf haben. Ab Dezember 2012 gelten sogenannte Unisex-Tarife, die vorschreiben, dass keine Beitragsunterschiede aufgrund des Geschlechts des Versicherungsnehmers bestehen dürfen. Heißt: Männer werden voraussichtlich höhere Beiträge zahlen, Frauen niedrigere. Diese Änderung betrifft ausschließlich Neuverträge. Eine weitere Änderung wird - wie jedes Jahr - die Jahresarbeitsentgeltgrenze sein: Sie liegt dann bei 52.200 Euro.

Nachteile der privaten Krankenversicherung

Die private Krankenversicherung hat zweifelsfrei viele Vorteile, die sich aus dem obigen Vergleich mit der gesetzlichen Krankenversicherung ergeben. Aber auch diese Medaille hat eine Kehrseite; im Folgenden lernen Sie die Nachteile der privaten Krankenversicherung kennen:

  1. Die private Krankenversicherung steht nicht jedem offen. Sowohl das Gehalt betreffende Beschränkungen als auch das Alter oder die Krankenhistorie betreffend, ist es nicht jedem möglich, zur privaten Krankenversicherung zu wechseln.

 

  1. Für die vergleichbaren Leistungen ist die private Krankenversicherung zwar günstig, allerdings kann die individuelle Beitragskalkulation ein Nachteil sein: Leistungsumfang, Alter und Gesundheitszustand sowie das Risikopotenzial beruflicher Natur ergeben den Beitragssatz. Ein Dachdecker wird also risikoreicher eingestuft als ein Büromitarbeiter.

 

  1. Familien werden gesondert zur Kasse gebeten: Eine kostenfreie Mitversicherung der Familienmitglieder ist selten bis gar nicht möglich. Kinder können oft günstig mitversichert werden, aber jedes Familienmitglied hat einen eigenen Versicherungsvertrag.

 

  1. Aus dem Kostenerstattungsprinzip ergeben sich Vor- und Nachteile: Versicherungsnehmer sind nicht an vorgeschriebene Regelleistungen gebunden; die tatsächlich anfallenden Arztkosten werden rückwirkend an Versicherungsnehmer erstattet und die freie Arztwahl ist ebenfalls positiv. Nachteilig ist allerdings die Tatsache, dass Versicherungsnehmer zahlungspflichtig sind, weil der Vertrag zwischen ihm und dem behandelnden Arzt zustande kommt. Heißt: Den Arztbesuch muss sich der Versicherungsnehmer erst mal leisten können.
     

Kündigung der privaten Krankenversicherung

Es gibt diverse Möglichkeiten, die private Krankenversicherung zu kündigen:

  1. Beim Wunsch, zurück in die gesetzliche Krankenversicherung zu wechseln, muss die gesetzliche Versicherungspflicht neu aufleben. Binnen drei Monaten, nachdem diese Versicherungspflicht eintritt, kann rückwirkend zu Beginn der Pflicht gekündigt werden. Binnen zwei Monaten muss der Nachweis über die Versicherungspflicht erbracht werden, andernfalls wird die Kündigung unwirksam. Altersrückstellungen gehen vollständig verloren. Versicherungsnehmer, die eine spätere Rückkehr zur privaten Krankenversicherung planen, sollten eine Anwartschaft in Betracht ziehen, sodass die Gesundheitsprüfung entfällt und die Altersrückstellung erhalten bleibt.

 

  1. Versicherungsnehmer, die den Anbieter wechseln wollen, müssen zunächst auf die Vertragslaufzeit (je nach Anbieter zwischen einem und drei Jahren), anschließend auf die Kündigungsfrist von drei Monaten achten. Sie binden sich immer für einen bestimmten Zeitraum an Ihren Versicherer. Eine ordentliche Kündigung ist erst danach möglich; entweder zum Ende des Kalender- oder zum Ende des Versicherungsjahrs. Um die private Krankenversicherung zu kündigen, muss der bisherigen Gesellschaft den neuen Versicherungsschutz nachweisen; darauf besteht der Gesetzgeber, um sicherzustellen, dass jeder Bürger krankenversichert ist. Wie die Altersrückstellung gehandhabt wird, hängt vom Zeitpunkt des Vertragsabschlusses ab: Bei Altverträgen von vor dem 01.01.2009 kann die Altersrückstellung nach Kündigung nicht zum neuen Anbieter mitgenommen werden. Neuverträge seit diesem Stichtag beinhalten, dass Teile der Altersrückstellung zum neuen Anbieter mitgenommen werden dürfen. Die Höhe entspricht dem Betrag, die der Versicherungsnehmer im Basistarif angespart hätte.

 

  1. Versicherungsnehmer, die aufgrund einer Beitragserhöhung den Anbieter wechseln wollen, können außerordentlich kündigen. Dasselbe gilt, wenn die Versicherungsgesellschaft die Leistungen kürzt. Versicherungen sind verpflichtet, ihre Mitglieder über derlei Änderungen zu informieren. Anschließend und bis einen Tag vor Eintritt der Neuerungen kann der Versicherungsnehmer von seinem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen. Auch dabei gilt, dass der neue Versicherungsschutz nachgewiesen werden muss. Die Regelung zur Altersrückstellung entspricht denen bei der ordentlichen Kündigung.

 

Beitragsgestaltung der privaten Krankenversicherung heute und in Zukunft

Alter, Geschlecht, Krankengeschichte, Beruf und Leistungsumfang bestimmen derzeit den Beitrag. Das ändert sich Ende 2012: Neuverträge, die ab Dezember 2012 abgeschlossen werden, fallen in sogenannte Unisex-Tarife, sodass das Geschlecht zur Beitragsgestaltung irrelevant wird.

Folgen für die private Krankenversicherung bei Arbeitslosigkeit

Privat Versicherte, die arbeitslos werden, werden wieder gesetzlich versicherungspflichtig. Tritt diese Versicherungspflicht ein, muss binnen drei Monaten gekündigt und binnen zwei Monaten ein Nachweis über die Versicherungspflicht erbracht werden.

 

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