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Der Unterschied zwischen nominalen und effektiven Jahreszinsen

In den letzten Jahren wurde die Transparenz in der Kreditwelt erheblich erhöht: Der Gesetzgeber änderte die Preisangabenverordnung und die Pflichtangaben für Kredite (und viele andere Produkte). Bei Lebensmitteln muss ein Vergleichspreis in einer standardisierten Mengeneinheit angegeben werden. Beispielsweise pro 100 Gramm oder pro Kilo. Bei Krediten gab es früher ein beinahe undurchschaubares Dickicht an eigentlichen Zinsen, Abschlägen bei der Auszahlung und weiteren Gebühren. Dies änderte der Gesetzgeber und legte mit § 6a der Preisangabenverordnung eine genaue Berechnungsweise für den Vergleichszinssatz - auch effektiver Jahreszins genannt - fest. Seitdem müssen alle Banken den effektiven Jahreszinssatz bzw. gebundenen Sollzinssatz bei Verbraucherdarlehen auf die gleiche Art und Weise berechnen.

Dennoch finden sich in vielen Berechnungen zur Geldanlage und Kreditaufnahme auch noch weitere Unterscheidungen. So wird zwischen einem nominalen Jahreszins und einem effektiven Jahreszins unterschieden. Dieser Unterschied lässt sich am leichtesten dadurch beleuchten, dass wir einmal zwei verschiedene Kredite betrachten: Einmal einen Dispokredit auf dem Girokonto mit viermal jährlicher Zinsbuchung und eine Unternehmensanleihe mit der ein Unternehmen sich bei Anlegern verschuldet.

Für eine einfachere Berechnung nehmen wir runde Zahlen und gehen von einer Tilgung erst nach exakt einem Jahr aus.

Abweichung zwischen nominalem und effektiven Jahreszins beim Dispokredit

Wenn Sie schon einmal einen Dispokredit genutzt haben, dann kennen Sie die Abrechnungsmodalitäten: Sie nehmen den Kredit einfach auf und nutzen ihn möglichst nur innerhalb des gewährten Verfügungsrahmens. Dieser liegt üblicherweise bei dem 2- bis 3-fachen Nettomonatsgehalts. Nehmen Sie den Kredit - z. B. durch Automatenauszahlung - am 1. Januar auf, dann tut sich auf der Abrechnung bis zum 30.03. gar nichts. Im Beispiel kalkulieren wir einmal mit einem Jahreszins von 9 %: Am 30.03. werden die Zinsen auf dem Girokonto sollgebucht, der Kontostand ist dann nicht mehr 1.000 Euro im Soll, sondern 1.000 Euro plus die aufgelaufenen Zinsen in Höhe von 22,50 Euro. Der Anfangssaldo wird dann mit dem gleichen, unveränderten Nominalzinssatz verzinst und ergibt im zweiten Quartal schon Zinsen in Höhe von 23,01 Euro. Der Anfangssaldo zu Beginn des dritten Quartals ist dann -1.045,51 Euro. Durch den Zinseszinseffekt steigen die Zinsen im dritten und vierten Quartal ebenfalls, so dass am Jahresende -1.093,08 Euro auf dem laufenden Konto wären.

Durch die unterjährige Verbuchung der Zinsen auf dem Girokonto und die Erhöhung des Anfangssaldos für das nächste Quartal wird dann aus einem Nominalzins von 9 % ein effektiver Jahreszins - korrekt berechnet - in Höhe von: 9,30 %!

Die Unternehmensanleihe mit einmal jährlicher Zinsberechnung

Würden Sie den gleichen Betrag - beispielsweise als Unternehmer aus einem Hochrisikoland - mit 9 % aufnehmen und die Zinsen nur einmal im Jahr buchen, dann ergäben sich nur drei Buchungen: Aufnahme des Kredites am 1. Januar mit einem Kontostand von -1.000 Euro. Dann eine einmalige Zinsbuchung von 90 Euro (= 9 %) am Jahresende, die den Schuldenstand von 1.000 Euro auf 1.090 Euro erhöht. In diesem Fall - also bei einer einmaligen Zinsbuchung pro Jahr - wäre der nominale und effektive Jahreszins gleich. Je häufiger aber Zinsbuchungen vorgenommen werden und damit der unterjährige Kontostand bzw. Saldo verändert wird, desto mehr weicht der Effektivzinssatz vom Nominalzinssatz ab.